Studienlage zur Wirksamkeit der Homöopathie

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Ist die Homöopathie wirksam? – Ja
Kann man das belegen? – Ja, wenn man will

Viele neuere Artikel und Kommentare betonen immer wieder, dass die Homöopathie dem Placebo nicht überlegen ist. Auch Wikipedia kommuniziert dies so und beruft sich, wie die meisten anderen auch, hauptsächlich auf die letzte grosse Metaanalyse von Shang (Lancet 2005 (*1)), die 110 homöopathische Studien mit 110 gematchten konventionell-medizinischen Studien verglichen hat.

Das Ergebnis war das vielzitierte: „Die Homöopathie ist dem Placebo nicht überlegen“. Dieser Satz bleibt im Gedächtnis haften. Der Nebensatz: „Die Schulmedizin ist dem Placebo allerdings auch nur knapp überlegen“ habe ich allerdings noch nie in der Presse gelesen und er steht auch nicht bei Wikipedia. Beide Aussagen stimmen nicht. Wissenswertes zu dieser (seltsam zielgerichteten) Metaanalyse:

Von den 110 homöopathischen Studien, die geprüft wurden, flossen nur acht in die Endauswertung ein. Die restlichen wurden aus verschiedenen, teilweise gesuchten Gründen abgelehnt und von der Auswertung ausgeschlossen.
Von den 110 konventionell-medizinischen Studien wurden sogar nur deren sechs in der Auswertung berücksichtigt. Das Resultat zeigt eine „knappe Ueberlegenheit dem Placebo gegenüber.

Weshalb sind diese Resultate so schlecht? Weil zu wenige Studien berücksichtigt wurden…

Weshalb geht kein Aufschrei durch die Medien, im Sinne von: Die Schulmedizin ist nur knapp besser als das Placebo? Weil die Schulmedizin bzw. konventionelle Medizin allgemein anerkannt ist und der Sinn der Metaanalyse nicht war, die Schulmedizin zu verunglimpfen…

Weshalb wurden so wenige Studien verwendet und die Ergebnisse scheinbar so präsentiert, dass die Homöopathie dabei sehr schlecht abschneidet? Das muss sich jeder selbst überlegen… Es könnte allerdings sein, dass die Homöopathie als konkurrenzierende nicht-universitäre Disziplin ohne Benefit für die Pharmaindustrie bewusst „kleingehalten“ wurde (dabei ergänzen sich die beiden Methoden gut und der Umsatz an homöopathischen Arzneimittel geht auch in die hohen Millionenbeträge, was natürlich im Vergleich zur Schulmedizin trotzdem wenig ist).

Wieso war man vor Shang auch an der Universität der Homöopathie gegenüber noch viel aufgeschlossener (viele Schulmediziner lassen sich zusätzlich homöopathisch ausbilden)? Weil die Erfahrungen positiv sind und Studienlage durchaus nicht so schlecht ist, wie Shang es darstellt:

Die letzte grosse Metaanalyse vor Shang war die von Linde (Lancet 1997 (*2)) und zeigte nur acht Jahre zuvor noch eine deutliche Ueberlegenheit des homöopathischen Arzneimittels dem Placebo gegenüber („statistisch signifikant positiv“), dies bei 89 ausgewerteten Studien, von den 26 als hochwertig befunden wurden und in das Ergebnis einflossen.

Dieses Ergebnis passt auch besser zum Gesamtbild: Es liegen bis heute ca. 200 randomisierte klinische Studien vor, von denen mehr als die Hälfte ein „statistisch signifikant positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie“ belegen (*3). Dazu einige Beispiele:

Eine aktuelle randomisierte Doppelblindstudie bezüglich ADS/ADHS (Uni Bern, Frei/Everts et al. (*4)) zeigt zum Beispiel eine deutliche signifikante Ueberlegenheit des individualisierten homöopathischen Arzneimittels dem Placebo gegenüber.

Die Studie von Jacobs (The Pediatric Infectious Disease Jounal 2003 (*5)) zeigte deutliche Ueberlegenheit des homöopathischen Arzneimittels dem Placebo gegenüber bei kindlichem Durchfall.

In der Studie von Lüdtke und Wiesenauer (Wiener medizinische Wochenschrift 1997 (*6)) zeigte sich Homöopathie bei Heuschnupfen dem Placebo überlegen und dem Antihistaminikum gleichwertig.

Auf einer Intensivstation am Universitätsspital Wien wurden diverse kleine Studien durchgeführt (die wegen der geringen Fallzahlen in der Metaanalyse von Shang auch nicht berücksichtigt werden konnten), die aber interessante Ergebnisse zeigten (*7):
– Beatmete Patienten, die zusätzlich zur normalen Behandlung homöopathische Arzneimittel (Lungen-Arzneimittel, Schleimlöser) verabreicht bekamen, konnten x Tage früher extubiert werden, als jene, die ein Placebo bekamen.
– Patienten mit beginnendem Multiorganversagen hatten mit einem homöopathischen Schockmittel eine statistisch signifikant höhere Ueberlebensquote als jene mit Placebo (alle bekamen natürlich die übliche Behandlung mit Beatmung, Katecholaminen etc.)

Quellen:
(*1) Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589
(*2) Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges LV, Jonas WB: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet. 1997;350(9081):834-43. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9310601
(*3) Karl und Veronica Carstens-Stiftung: Homöopathie. Zum Stand der Klinischen Forschung. Essen 2006. Download: http://www.carstens-stiftung.de/eigene/fa/stand/stand_der_forschung_homoeopathie_07MAR06.pdf
(*4) Frei H, Everts R, v.Ammon K, Thurneysen A: Homöopathische Behandlung von hyperaktiven Kindern: Ergebnisse einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit Crossover. Universitätsspital Bern 2014 http://www.schuleundgesundheit.hessen.de/fileadmin/content/Themen/Chronische_Erkrankungen/ADHD_Homoeopathie.pdf
(*5) Jacobs J, Jonas WB, Jiménez-Pérez M, Crothers D: Homeopathy for childhood diarrhea: combined results and metaanalysis from three randomized, controlled clinical trials. Pediatr Infect Dis J 2003 Mar;22(3):229-34 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12634583
(*6) Lüdtke R, Wiesenauer M: A meta-analysis of homeopathic treatment of pollinosis with Galphimia glauca. Wien Med Wochenschr 1997;147(14):323-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9381725
(*7) Frass M, Dielacher C, Linkesch M, Endler C, Muchitsch I, Schuster E, Kaye A. Influence of potassium dichromate on tracheal secretions in critically ill patients. Chest. 2005; 127:936-41; Frass, M, Linkesch M, Banyai S, Resch G, Dielacher C, Löbl T, Endler C, Haidvogl M, Muchitsch I, SchusterE. Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebocontrolled trial in an intensive care unit. Homeopathy 2005; 94:75-80

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