Homöopathische Behandlung bei Prüfungsangst

junge in der grundschule hält sich den kopf

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass eines der wenigen Themen, bei denen auch eingefleischte Schulmediziner mit Überzeugung auf homöopathische Arzneimittel zurückgreifen, die Angst ist? Viele würden ein Ekzem oder eine leichte Angina keinem homöopathischen Arzneimittel anvertrauen, aber wenn der Patient Angst hat geben Hausärzte plötzlich Bachblüten-Notfalltropfen oder Gelsenium bei Prüfungsangst, Zahnärzte geben Argentum nitricum bei Angst vor der Behandlung etc. Der Grund dafür ist wohl, dass die chemische Behandlung der Angst fraglich ist (und fraglos mit vielen Nebenwirkungen verbunden).
Antidepressiva: Nur sinnvoll bei Langzeitgabe, grosser Eingriff in die Persönlichkeit
Benzodiazepine wie Temesta oder Valium wirken äusserst angstlösend, fraglich nur, wie gut man in einer Prüfung abschneidet, wenn man sediert ist)
Betablocker: Wirken hauptsächlich auf der körperlichen Ebene, senken Blutdruck und Puls
Leistungssteigernde Medikamente, z.B. Modafinil oder Ritalin, die aus Angst, zu versagen, eher eingenommen werden aber nicht spezifisch gegen Angst wirken

Es gibt manche homöopathische Arzneimittel, die gut bei Prüfungsangst wirken (die Leistungssteigerung ist ein anderes Thema, das müsste man separat besprechen). Wie immer in der Homöopathie sollte man sich zuerst bewusst sein, welcher Art Angst man sich ausgesetzt fühlt, woher diese herrührt und mit welchen Modalitäten sie verbunden ist. Was tut mir gut, was bringt mich zum verzweifeln? Wovor genau habe ich Angst? (dumm zu sein? die Eltern zu enttäuschen? nie beruflich etwas erreichen zu können? ausgelacht zu werden?)? Man muss auch unterscheiden, ob man ein Arzneimittel zum Lernen braucht oder eines kurz, bzw. in den Nächten vor der Prüfung.

Arzneimittel, die man vor der Prüfung verwenden kann:

Argentum nitricum: Versagensangst, mangelndes Selbstvertrauen mit starken körperlichen Symptomen: Zittern, Herzklopfen, pulsierender Kopf (was sich bessert, wenn man ihn einwickelt), Stuhl- und Harndrang. Hektisch, alles muss schnell gehen. Angst, zu spät zu kommen. Übelkeit durch Süssigkeiten. Blackout wegen sprunghaftem, impulsivem Denken. Grosse Phantasie bezüglich alljenem, was schiefgehen könnte.
Gelsenium: Undefinierte innere Aufregung vor der Prüfung, es nützt nichts, sich zu sagen, dass man den Stoff beherrscht. Alles ist schwach, zittrig und schwer. Der Bauch „zittert“, man ist müde, die Augen wollen zufallen, trotz Herzklopfen und schwitzen. Wie gelähmt. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Gerötetes Gesicht. Schlaflosigkeit vor der Prüfung.
Arsenicum album: Grosse innere Unruhe trotz übergenauer Vorbereitung. Muss sich ständig bewegen, umherrennen bessert. Kältegefühl. Tiefsitzende Angst, Kloss in der Kehle.
Hydrogenium: Während der Prüfung ist alles unwirklich, weltfremd. Nichts stimmt. Konzentration und Orientierung nahezu unmöglich. Man vergisst, wo man gedanklich vor zwei Sekunden war.
Lycopodium: Geringen Selbstvertrauen und Versagensangst vor der Prüfung. Übergrosse Ansprüche an sich selbst. Angst, man habe etwas vergessen. Bauch durcheinander, Blähungen und Aufstossen.
Strophantus: Das Kind gibt sich vor der Prüfung altklug und bestens vorbereitet. In der Prüfung jedoch Blackout, zittern, schwitzen, trockener Mund.
Zincum: Unendlich müde und schwach in der Prüfungssituation. Verzögerte Reaktion. Ausdrucksloser Blick. Hypochondrisch.
Agaricus: Unproduktiv, da hyperaktiv in der Prüfung. Man kann nicht stillsitzen, alle Muskeln zucken. Stark eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Bewegungsdrang.
Silicea: Gegen aussen souverän und schüchtern wirkend, innerlich riesige Zweifel an sich selbst. Hang zum Perfektionismus. Das Image ist wichtig, man will sich keine Blösse geben. Verstopfung.

Arzneimittel, die man beim Lernen verwenden kann:

Alumina: Lernen fällt schwer, weil der Geist stumpf ist. Man bekommt den Stoff nicht in den Schädel, versteht ihn nicht. Die Zeit vergeht langsam. Keine Lust zu lernen und keine Lust, etwas anderes zu tun.
Anacardium: Man lernt, aber es bleibt nichts hängen. Grosse Versagensangst. Das Lernen ist anstrengend und verstärkt alle vorhandenen Symptome (geistige Anstrengung verschlechtert). Man denkt beim Lernen mehr über sich und seine Probleme als über den Stoff nach.
Lycopodium: Man auferlegt sich selbst grossen Druck und geht übergenau an das Lernen heran. Man will nicht alleine sein, aber Gesellschaft zu haben nervt auch. Angst ist der ständige Begleiter beim Lernen. Angst davor, etwas zu vergessen, zu versagen. Verdauungsbeschwerden.
Aethusa: Man kann alles auf dem Tisch hin- und herschieben, aber nichts mehr aufnehmen und nicht mehr reden. Es muss ständig etwas gegessen werden. Jede Ablenkung ist willkommen. Gefühl der absoluten Überanstrengung/Überarbeitung. Warmes Wetter verschlimmert alle Beschwerden.

Schreibe einen Kommentar zu Klaus Schleusener Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.